Freitag, 1. Februar 2019

Wer waren denn die Mezger in Überlingen?

Metzger haben wir in Überlingen einige, sehr gute sogar.
Aber "Die Mezger" als berühmte Überlinger Künstlerdynastie, die gibt es nicht mehr.

Michael Mezger, bekanntes Überlinger Fasnachts-Urgestein, stammt von den berühmten Mezgers ab. Sein Vater war der Bruder von Viktor Mezger, der - wie auch sein Vater Victor Mezger und dessen Bruder - unzählige Spuren in Überlingen hinterlassen hat. Im Verhältnis ist es nur eine Kleinigkeit seines Schaffens, aber man schaue nur mal ins Überlinger Narrenbuch. Der Zunftplämper für 2019 beruht auf einer Mezgerschen Zeichnung.

Blick auf Werkstatt und Garten der Mezger Familie
Warum wir auf diesen Künstler heute extra hinweisen? Nein, kein Jubiläum, viel Schlimmer: Sein Vermächtnis in der Stadt Überlingen droht zumindest teilweise zerstört zu werden. Die Mezgersche Kunstwerkstatt war in der Christiophstraße 7 beheimatet. Dort findet man noch heute sein Wohnhaus, seine Werkstatt und den wunderbaren Skulpturengarten, bis zur Felskante hin. Zu recht, wenn auch sehr spät erst 2007, wurden die Gebäude samt  Skulpturen unter Denkmalschutz gestellt. In der umfangreichen Denkmalbeschreibung heißt es: "Wohnhaus, Werkstatt und Skulpturen bilden als anschauliche Zeugnisse für den Arbeits- und Lebensrahmen...eine Sachgesamtheit. Diese ist ein Kulturdenkmal aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen; an seiner Erhaltung besteht...ein öffentliches Interesse."
Victor Mezger zu Ehren wurde sogar eine Straße nach diesem bedeutenden Überlinger benannt.


Das linke Gebäude wird zu fast 90% im Mezgergarten stehen
Bekanntlich wird in der Fischerhäuser Vorstadt ein sehr großes Neubauprojekt geplant. Das westliche der zwei großen Gebäude steht zu 90% auf dem Gelände des Mezgerschen Gartens. Nicht nur eine bauliche, sondern auch eine kulturgeschichtliche Sünde ist es, wenn dieses Vorhaben genehmigt wird. Die Giebelseite und die dachaufbauten widersprechen vollkommen der Altstadtsatzung. Die Bauverwaltung unter Baubürgermeister Längin hat durchblicken lassen, dass sie es für genehmigungsfähig hält. Obwohl der Gemeinderat am Mittwoch beschlossen hat, einen Bebauungsplan für die ganze Fischerhäuser Vorstadt aufzustellen, scheint man dieses Vorhaben noch schnell vorher durchziehen zu wollen. Denn das Landesamt für Denkmalschutz wird erst im Bebauungsplanverfahren gehört, vorher sonst nicht. Und Bauverwaltung und die "Untere Denkmalschutzbehörde" in Überlingen haben den gleichen Chef: Baubürgermeister Längin.

1998 wurde ein Rahmenplan für die Fischerhäuser Vorstadt erstellt, damals noch sollte der Bereich des Mezgerschen Anwesens völlig freigehalten werden. Leider wurde vor einigen Jahren der hintere Teil des Gartens von den Erben verkauft-prompt begannen die Begehrlichkeiten von Investoren zu sprießen.

Die BÜB+ wird sich mit einer Überbauung des Skulpturengartens nicht abfinden. Wir fordern die Bauverwaltung und den noch amtierenden Gemeinderat dringend auf, hier einzuschreiten. Wir haben eine Presseinformation an den SÜDKURIER geschrieben, um die Überlinger Öffentlichkeit wachzurütteln.
Pressemitteilung vom 1.2.2019:
In der Gemeinderatssitzung am 30.1.2019 wurde vom Gemeinderat beschlossen, für den Bereich Fischerhäuser Vorstadt einen Bebauungsplan aufzustellen. Diesen Beschluss begrüßen wir, würden allerdings auf eine gleichzeitige Veränderungssperre dringen.
Gleichzeitig wurde die Präsentation der aktuellen Planung für das Bauvorhaben Gartenstraße 5-7 nahezu diskussionslos hingenommen, nachdem von der Bauverwaltung eine Zulässigkeit nach §34 signalisiert wurde.

Von der Bauverwaltung wurde darauf hingewiesen, dass in diesem Bereich keine denkmalgeschützten Objekte bestünden. Dieser Darstellung muss schärfstens widersprochen werden, denn im zu überplanenden Bereich befinden sich diverse geschützte Objekte. Dazu gehört auch das Ensemble aus Haus, Werkstatt und Skulpturengarten der früher sehr bedeutsamen Kunstwerkstätte der Gebrüder Mezger, die dort die Eberleschen Werkstätten übernommen hatten. Diese Werkstätte wurde später vom Sohn Viktor Mezger fortgeführt. Viele bedeutende Kulturgegenstände wurden hier geschaffen, die nicht nur in Überlingen allerhöchste Bedeutung haben. Aus diesem Grund wurde 2007 das ganze Areal Christophstraße 7, Flurstück 386, unter Denkmalschutz gestellt. In der Denkmalbeschreibung wird ausdrücklich auf den kulturhistorischen Wert der Gebäude, aber auch des Skulpturengartens verwiesen, an seinem Erhalt besteht öffentliches Interesse. Auch der Rahmenplan von 1998 sieht hier keinerlei Bebauung vor.

Die aktuelle Neubauplanung sieht die Errichtung von zwei Gebäuden vor. Das westliche steht zu 90% im Bereich des geschützten Skulpturengartens. Die BÜB+ lehnt diese Planung alleine aus diesem Grund entschieden ab, abgesehen von der Tatsache, dass die Kubatur der Gebäude auch nach der leichten Absenkung der Giebelhöhe, aber auch die Gestaltung der südlichen Giebelseite noch immer unverträglich für dieses historische Gebiet erscheint. Wir fordern die Bauverwaltung dringend auf, dem Bauvorhaben aus den genannten Gründen nicht zuzustimmen. Den Gemeinderat fordern wir auf, neben dem Bebauungsplan auch eine Veränderungssperre zu beschließen.



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