Das war - Die Trockenmauer

Zur Erinnerung an ein Stück Überlinger Geschichte
Warum ist (war) die Trockenmauer so wertvoll?

Was ist denn so Besonderes an dieser Mauer, werden wir oft gefragt. Gerne erzählen wir hier die Geschichte.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es keinerlei Verbindung aus Richtung Sipplingen oder Goldbach nach Überlingen - zumindest nicht direkt am See entlang. Man musste beschwerliche Umwege in Kauf nehmen, um in die Stadt zu gelangen, denn die hohen Goldbacher Molassefelsen waren die natürliche massive Ufermauer des Bodensees.

Uferkante war der Goldbacher Molassefelsen
1846 und 1848 begann der "Frevel"- man sprengte Teile des Felsens ab, darunter auch die uralten Heidenhöhlen. Damit war eine Fläche für einen schmalen Uferweg geschaffen, man konnte erstmals direkt zu Fuß oder mit Karren nach Überlingen kommen. Später wurde eine Straße gebaut, die alte Reichsstraße 31 entstand. Geführt wurde sie damals noch über die heutige Obere Bahnhofstraße, vorbei am Wirtshaus Felsen.


Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Eisenbahn geplant, dafür wurde weitere wasserfreie Fläche benötigt. Den gesamten Aushub des westlichen Eisenbahntunnels lagerte man auf einer bisher mit Wasser bedeckten Fläche ab, das heutige "Graf`sche Gelände. ( Jetzt Uferpark Ost) Zeitgleich mit dem Bau des Bahnhofes wurde zur Sicherung der Auffüllmassen 1895 eine Mauer gebaut. Nicht eine simple Betonmauer! Man holte Spezialisten, die aus Rorschacher Sandsteinen eine 350 Meter lange und bis zu 3,5 Meter hohe Trockenmauer zum Schutz des Geländes, der Straße und der Bahnlinie errichteten.
Das Lauterwasser Archivfoto von 1895 zeigt den Bau des Bahnhofes (mitte links hinten) und der Trockenmauer rechts
Die Steine wurden direkt mit Schiffen an die Baustelle gebracht. Zigtausende Steine, jeder etwa 50cm breit, mindestens 80cm lang und 15-25 cm dick wurden mit der langen Seite landwärts führend versetzt aufgeschichtet. Eventuell erst in späteren Jahren, als der Fußweg erstellt wurde, hat man die relativ leichten Molassesteine oben mit einer aufgelegten (nicht gegossenen!) Betonplatte beschwert.
Einmalig, schön und Lebensraum
Diese Bauweise war extrem teuer, würde heute nicht unter 1 Mio Euro kosten. Der Vorteil der Trockenmauer: Selbst bei stärksten Stürmen und Hochwassern bleibt diese in sich stabil. So wie zum Teil tausende Jahre alte Trockenmauern in Weinbergen. Oberhalb der Trockenmauer wurden die Platanen in einer Allee gepflanzt.

Ein unbekanntes Kleinod
In den Zwischenräumen der Steine leb(t)en viele Pflanzen und Tiere. Es werden Eidechsen und Ringelnattern, Käfer und Insekten beobachtet. In einem Bereich wächst eine etwa 35 Meter hohe Schwarzpappel direkt aus der Mauer heraus, ohne dass diese beschädigt wurde. Leider verwilderte die Mauer Laufe der Jahrzehnte, von oben war sie gar nicht mehr sichtbar. Nur die Überlinger Taucher, die in diesem Gebiet seit Jahrzehnten ihre Taucherplätzle haben, kannten diese besondere Mauer. Und natürlich viele Paddler und Ruderer.

Was woll(t)en wir?
Natürlich den Erhalt dieser im ganzen Bodenseeraum einmaligen Trockenmauer. Darüber stehen die bis zu 120 Jahre alten Platanen der Allee. Damit diese schöne Mauer aber auch besichtigt werden kann, schlagen wir vor, dass sie in einigen kurzen Bereichen abgetragen wird. Nämlich genau dort, wo oben in der Platanenallee Lücken bestehen. Hier kann man die Mauer öffnen, Stufen führen die Besucher nach unten ans Wasser. Dort können auch die im LGS Plan vorgesehen Wasserläufe mit Sickerwasser aus dem Stollen über Stufen zum See geführt werden. Im Winter fällt der Mauerfuß trocken, man kann dort dann weite Spaziergänge machen.

Renaturieren?
"Renaturieren" will hier die Stadt und LGS GmbH. Flach auslaufende Uferwiesen hat es hier niemals gegeben, die Uferkante war immer hart! Schon der Begriff ist falsch, denn eine echte Renaturierung würde bedeuten, dass Straße und Eisenbahn verschwinden, dass die Auffüllungen komplett entfernt werden.   Dann wäre der Felsen wieder die natürliche harte Seekante, wie seit tausenden von Jahren. Das ist natürlich sinnlos, daher wird die ganze Umgestaltung jetzt  "ökologische Verbesserung" genannt, damit man möglich hohe staatliche Zuschüsse aus Steuergeldern kassieren kann.

Die "ökologische Verbesserung soll dann so wie hier im Foto aussehen, das Muster ist im Bereich des Campingplatzes zu sehen: Die "Zyklopenmauer" besteht aus bis zu 1,6m langen Granit Flussbauwacken, zur Sicherung gegen Wellen und Hochwasser in Drainbeton gesetzt. Im oberen Bereich werden Pflanzen gesetzt, die nicht nur die Sicht auf den See, sondern auch das Betreten der Wacken verhindern sollen. Denn Kinderfüße können in den Spalten brechen, Scherben von Glasflaschen und viel Müll wird sich ohnehin darin sammeln.

Ökologische Verbesserungen werden mit sogenannten Ökopunkten bewertet. Im "Landschaftspflegerischen Begleitplan", erstellt April 2016, kann man lesen, dass die gesamte ökologische Verbesserung des Ufer, einschließlich dem Fällen der 160 Bäume, dem Entfernen der Trockenmauer und der Entfernung der "Bastion" etwa 120.000 Punkte wert ist.

Das entspricht etwa den Punkten, die man bei Umwandlung von 1 ha Ackerland zu einer Streuobstwiese bekommt. ist es das wert? Eindeutig Nein!




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