Mittwoch, 31. Januar 2018

Eisbahn am Chantilly-Platz?

Der Südkurier berichtet über Pläne, wegen Umbaumaßnahmen am Landungsplatz die privatwirtschaftlich betriebene Eisbahn im kommenden Winter auf dem Chantilly-Platz am Mantelhafen zu installieren. Der notwendige Vertrag soll bereits unterschrieben sein, die Kosten trägt die Stadt und damit der Steuerzahler.

Als die Architektin Frau Mommsen den Wettbewerb für die Umgestaltung der Stadt zur LGS gewann, waren in ihren ersten Plänen die vier großen Kastanien entfernt. Ebenso, wie die Promenade baumlos und der Abriss der Baresel-Plattform geplant war. Zum Glück konnten diese Absichten gestoppt werden, sowohl die vier Kastanien, als auch Promenadenbäume und Baresel-Plattform wurden von den Überlinger Bürgern gerettet.

Und nun soll dort die Eisbahn hinkommen. Dafür muss das Gelände eingeebnet und von allen störenden Bebauungen befreit werden. Die Gefahr, dass dadurch die Wurzeln der 100jährigen Kastanien geschädigt und damit die ganzen Bäume gefährdet werden, ist immens.

Hände weg vom Chantilly-Platz und von den Kastanien!
Man will es nicht unterstellen, dass hier möglicherweise die Realisierung der alten Mommsenpläne durch die Hintertür versucht wird. Aber die Gefahr besteht, dass die Bäume so schwer geschädigt werden, dass sie dann "leider..." gefällt werden müssen. Dass die Stadt mit angeblich bereits kranken Bäumen argumentiert, um so einfacher deren Fällung durchsetzen zu können, ist ja seit kurzem kein Geheimnis mehr.

Sonntag, 28. Januar 2018

Man liest es und kann nur staunen


Da äußert sich am 23.1. in einem Südkurier Interview der Chef des Grünflächenamtes, Rolf Geiger, zu den nun vor fast einem Jahr gefällten Platanen der denkmalgeschützten Allee. Unter der Überschrift „Die Bäume passen nun in einen Leitz-Ordner“ berichtet Geiger über die Dokumentation der Alleebäume, die auf Verlangen des Denkmalamtes vor dem Fällen erstellt werden musste. Einige Zitate aus dem Südkurier Artikel:
  • „weil er sich selbst als Baumschützer sieht, sei es ihm sehr schwer gefallen, sich für die Fällung einzusetzen. Aber wenn es höheren Zielen dient, habe er sich als Bediensteter der Stadt für diese Ziele einzusetzen.“
  • „Mehr als 90% der Platanen wurden mit erhaltenswert beurteilt, der zweithöchste Wert der vierstufigen Skala.“
  • „Es war von Anfang an klar, dass die Bäume nicht aus gesundheitlichen Gründen gefällt werden. Die Entscheidung war eine politische!“
  • „Von Seiten der Stadt und der LGS GmbH wurde teilweise auch mit dem geschwächten Zustand der Bäume argumentiert“
  • „Es wurde leider auch mit viel Emotionen argumentiert, unter anderem wurden falsche Zahlen zum Alter genannt. Da haben wir reagieren müssen!“
  • „So findet sich in der Dokumentation auch die Bewertung des Denkmalamts wieder, die der Anlage einen "dokumentarischen Wert" bescheinigte – "insbesondere für die stadtgestalterischen Maßnahmen um 1900 und für die Entwicklung Überlingens als Fremdenverkehrs- und Erholungsort"
  • „Zwar sei die LGS "eine unheimliche Herausforderung und spannend", dass sie aber so viel Energie koste, habe er im Vorfeld nicht erwartet. Insbesondere die Diskussion mit den LGS-Planern koste Kraft. Zwar sei die Zusammenarbeit generell gut, doch nicht immer verfolgten LGS GmbH und das Grünflächenamt dieselben Ziele. "Planer denken nur in ihrem Projekt."
  • „...die Tausenden Weidensetzlinge, die zur Stabilität zwischen den Granitblöcken im Uferbereich gepflanzt werden. Spätestens alle zwei Jahre sollten diese geschnitten werden, sollen künftig doch keine ausgewachsenen Bäume den Blick auf den See versperren. Das Problem: Der Aufwand dafür ist immens.“
Was soll man dazu noch sagen?
Herr Geiger bestätigt also ganz klar, dass er im Auftrag der Verwaltung „zielorientierte Wahrheiten“ verbreiten musste, dass die Bäume alle ohnehin krank seien. (Das von der BÜB von einem anerkannten Sachverständigen beauftragte Gutachten hatte sowohl den hervorragenden Zustand als auch das maximale Alter der Bäume genannt). Er bestätigt, dass die Platanenallee einen bedeutenden historischen Wert gehabt habe, dass die zukünftige Pflege des neuen Uferparks ihm und seinen Mitarbeitern extreme Pflegeaufwendungen verursachen wird. Alles Argumente der BÜB zum Erhalt der Allee und der Sandstein Trockenmauer, für die etwa 3500 Überlinger Bürger sich mit ihrer Unterschrift eingesetzt hatten. Aber gegen „alternative Wahrheiten“ der Verwaltungsspitzen, denen sogar die Gemeinderäte Glauben schenkten, hatten Allee und Mauer keine Chance.

Welch ein Hohn,
dass nun ausgerechnet die letzte einsame Trauerweide im Uferpark den 2018 Jahresbutton der LGS ziert. „Der shooting star“ des Uferparks sei sie, schreibt die LGS GmbH. „Seit 60 Jahren dort verwurzelt und schon Einiges erlebt“ habe sie dort. Schade, dass sämtliche anderen der wunderschönen Trauerweiden nie die Chance hatten, auch zum Shooting Star zu werden. Weil sie ja angeblich alle krank waren, wurden sie gefällt. Alles Fake News und alternative Wahrheiten: Sie waren schlicht einem seelenlosen Granitwackenufer im Weg, das nun durch tausende pflegeaufwändige Weidensetzlinge kaschiert wird.