Donnerstag, 14. Juli 2016

Was ist Geschmacklos?

In der heutigen Ausgabe des SÜDKURIER bezeichnet der Grüne Landtagsabgeordnete Martin Hahn die Darstellung, dass alte Bäume -insbesondere die an geschichtsträchtigen Stellen- auch Zeitzeugen sind, als geschmacklos und schlimme Entgleisung. Ferner unterstellt er den über 3000 Bürgern, die mittlerweile für das Bürgerbegehren unterschrieben haben, sich nicht informiert zu haben.

Dazu nimmt die BÜB Stellung.

Was man selbst als „Hobbypolitiker“ als erstes lernen sollte, ist genaue Kenntnis von Aussagen zu haben, bevor man über diese urteilt. Herr Hahn als Berufspolitiker, leider selbst nicht mal anwesend gewesen, urteilt daher uninformiert über Aussagen, die er nicht kennt. Sein Vorwurf, der Herrn Diestel und damit die BÜB als geschmacklos und entgleisend hinstellt, ist voreilig und unbedacht. Er hätte sich den ganzen Text, der auch dem Südkurier vorliegt, vor seiner Stellungnahme geben lassen sollen. Der lautete nämlich im Ganzen so:

"Wenn ich von dem möglichst friedlichen politischen Wettbewerb um eine Sache spreche, fällt mir etwas zu den bis zu 120 Jahre alten Bäumen ein: Was bedeuten eigentlich 120 Jahre?
Die älteren dieser Bäume haben den Kaiser noch erlebt, ihn vielleicht sogar gesehen. Sie mussten dann aber auch sehen, dass hier mit der Bahn Überlinger Männer in den ersten Weltkrieg zogen, viele sahen sie nie wieder. Sie erlebten das Gleiche Jahre später, als die Überlinger in den zweiten Weltkrieg ziehen mussten. Und sie sahen die ausgemergelten Gestalten, die täglich in den Stollen ziehen mussten, um dort unter unmenschlichen Bedingungen das Gestein rauszuhauen, auf dem wir hier heute stehen. Sie sahen viele sterben, aber sie sahen auch die zwei Mutigen, denen die Flucht in die Freiheit gelang. Später sahen die Bäume viele dann glückliche Menschen, die hier auf einem der schönsten Campingplätze am Bodensee ihren Urlaub verbrachten.“

Statt einer „Geschmacklosigkeit“ wurde aufgezeigt, dass alte Bäume als Lebewesen auch Zeitzeugen sind, die in ihrem langen Leben viel erlebt haben und nicht bedenkenlos „als ein paar Bäume“ (Zitat Martin Hahn) einem modernen seelenlosen  Allerweltskonzept geopfert werden sollten.

Ernsthaft kritisieren muss man Herrn Hahn aber auch zu seiner Behauptung, dass die mittlerweile über 3000 Bürger etwas unterschreiben, von dem sie keine Ahnung haben. Das, Herr Hahn, ist geschmacklos und zeugt von Respektlosigkeit gegenüber dem Bürger. Genau so, wie viele dieser Bürger Sie erst kürzlich in den Landtag gewählt und sich darüber sicherlich vorher umfassend informiert haben, sollten Sie davon ausgehen, dass man dies bei einem vielleicht noch wichtigeren Bürgerbegehren ebenfalls getan hat. Diese Überlinger Bürger sind nicht dumm, sie wissen mittlerweile sehr genau, dass die Pläne und Versprechen vor dem 2013er Bürgerentscheid mit dem aktuellen Planungsstand nur noch sehr wenig gemeinsam haben.

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