Mittwoch, 26. Juni 2019

2004 einzigartig: Gentechnikfreie Landschaft Überlingen

Vor genau 15 Jahren war es eine Sensation: Als erste Gemeinde in ganz Europa hatte sich Überlingen zur "Gentechnikfreien Landschaft" erklärt. Siebzig Betriebe , Bauern und Vermarkter hatten sich der Vereinbarung angeschlossen.


So sahen die Schilder an jedem Ortseingang aus
Heute ist es still um das Thema geworden. Statt dieses Alleinstellungsmerkmal beispielsweise auch als LGS Thema zu kommunizieren, stellten wir anläßlich einer Recherche schon Anfang 2019 fest, dass die 2004 an den Stadteingängen aufgestellten Schilder bis auf eines alle verschwunden sind.
Grund für die BÜB+, mal nachzufragen. ob es die Vereinbarung noch gibt, warum die Schilder weg sind und wo sie geblieben sind. Zunächst hieß es, sie seien im Zuge einer "Bereinigung des Schilderwaldes" entfernt worden. Unsere genauere Nachfrage wurde dann durch die Überlinger Pressestelle so beantwortet:

Frage: Hat die vor etwa 15 Jahren in Überlingen als bundesweit erste Gemeinde (!) beschlossene „Gentechnikfreie Landschaft“ noch Bestand?
 
Ja, Überlingen ist noch immer eine gentechnikfreie Stadt. Beispielsweise wird vom Sachgebiet folgender Passus in städtischen/spitälischen landwirtschaftliche Pachtverträge mit aufgenommen:
„Gemäß Beschluss des Gemeindesrates der Stadt Überlingen bzw. des Stiftungsrats des Spital- und Spendfonds Überlingen vom 24.03.2004 ist der Anbau von gentechnisch verändertem Saat- und Pflanzengut auf Pacht- und Bewirtschaftungsflächen der Stadt Überligen bzw. des Spital- und Spendfonds Überlingen verboten.
Mit der Unterschrift im Pachtvertrag verzichtet der Pächter auf den Einsatz von derartigem Saat- bzw. Pflanzgut auf den Pachtflächen.
Begründung:
Die Risiken der „Grünen Gentechnik“ sind nicht genügend bekannt. Weder die Haftungsfragen, noch die Kosten, noch die Wertminderung der Grundstücke, die auf Pächter bzw. Verpächter zukommen können, sind geklärt. Die Fragen der Verhinderung einer Kontaminierung bei einem Nebeneinander von gentechnisch veränderten Kulturen und gentechnikfreier Erzeugung sind nicht beantwortet“.

Frage: Ist die ausnahmslose Vereinbarung mit 70 Erzeuger- und Vermarktungsbetrieben noch gültig, bzw. wird sie eingehalten? 
Ja, die Vereinbarung sind noch gültig.
Wir meinen: Das ist sehr gut, aber der Frageteil "wird sie eingehalten" ist nicht beantwortet.

Tatsächlich: Wer etwas sucht, findet noch ein Schild
Frage: Kann es wirklich sein, dass die Schilder, die auf ein besonderes Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt hinwiesen, nicht nur aus „rechtlichen Hintergründen“ entfernt -und möglicherweise sogar entsorgt- wurden, sondern auch im Rahmen einer Aktion „Reduzierung des Schilderwaldes“ ? 
Da wir die letzten 15 Jahre keinen Ansprechpartner hatten (auch nicht wo und wie man neue Schilder bekommt, wenn die alten verwittert sind) wurden diese im Zuge von Umgestaltungen der Ortseingänge (z. B. Ortseinfahrt von Nußdorf – neue Entlastungsstraße- oder Lippertsreuterstr. – Kanal vom Max-Bommer-Weg- oder Bahnhofstr. –LGS Uferpark-) tatsächlich entsorgt. Es sind jedoch nicht alle Schilder abgenommen (siehe Orteinfahrt Aufkircherstr.).
Wir meinen: Wer so viele Schilder für alle möglichen Zwecke aufstellt wie die Stadt Überlingen, sollte doch kein Problem bei einer Neuauflage haben? Zumal Metallschilder doch nicht so sehr verwittern in 15 Jahren...

Frage: Sind Sie unserer Meinung, dass eine gentechnikfreie Landschaft auch hinsichtlich der LGS ein besonderes Element der Eigendarstellung ist, dass dieses „Prädikat“ auch optimal zu einer LGS passen würde?
Siehe Frage 1, die Stadt Überlingen versteht sich weiterhin als gentechnikfreie Stadt.
Wir meinen: Das war ja eigentlich nicht die Antwort auf unsere Frage!

Frage: Wird die Stadt Überlingen etwas unternehmen – und wenn ja, was-, um die Gentechnikfreie Landschaft Überlingen wieder zu aktivieren, bzw. zu bewerben? 
Derzeit sind keine weiteren Werbemaßnahmen geplant.
Wir meinen: Schade, denn mit wenig Aufwand wäre so ein Alleinstellungsmerkmal werbewirksam zu vermarkten.

Links zum Thema:  
Bericht Deutschlandfunk zum 10jährigen Bestehen

Eloas Lachenmayer, Überlinger Liedermacher, war schon vor 15 Jahren aktiv dabei, als die Gentechnikfreie Landschaft begründet wurde. Auch heute noch setzt er sich dafür massiv ein und erstellt aktuell mit einem Filmemacher eine Dokumentationsserie zum Thema, die auf Youtube angeschaut werden kann.  

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Liebe Leser, hier können Sie gerne einen Kommentar zu unserem Beitrag hinterlassen. Bitte schreiben Sie mit Ihrem Klarnamen. Unsachliche anonyme Beiträge oder persönliche Angriffe werden nicht veröffentlicht.