Montag, 9. November 2020

1998, vor 22 Jahren

Die Stadt Überlingen beauftragte damals für das Gebiet um die Fischerhäuser Vorstadt einen Rahmenplan "Altstadt II-West", der Gemeinderat genehmigte ihn. Darin fanden sich solche Sätze: "Die Rahmenplanung für das Sanierungsgebiet mündet nicht in einen rechtsverbindlichen, sondern ggf. in einen „Selbstbindungsplan der Gemeinde. Dieser Plan ist nach § 1(5)10 BauGB als „sonstige städtebauliche Planung zu sehen und bei der Aufstellung von Bauleitplänen zu berücksichtigen."

Die neuen "Fischerhäuser" in der Südansicht: "Marginale Nachverdichtung"
Im Detail zur Fischerhäuser Vorstadt heißt es dort: "Vor der Felskante muß ein deutlicher Streifen als Freiflächen erhalten und gepflegt werden, innerhalb des baulichen Bestandes sind ungenutzte Flächen nachhaltig zu füllen und vorzugsweise mit Wohnnutzung zu belegen:"
Und: "Die geschlossene Bebauung an der Christophstraße kontrastiert zur aufgelockerten Bauweise an der Gartenstraße mit städtebaulich wertvollen Einzelaspekten."

Man kann davon ausgehen, dass 1998 die Beauftrager und die Ersteller dieses Rahmenplans verantwortungsbewusste Menschen waren, mit einem Herz für Überlingen und seine Geschichte. Die erkannten, dass die Fischerhäuser Vorstadt mit seiner bis heute lebendigen Nachbarschaft samt Gassenpfleger und Gassenmessmer ein eigenes Leben hat und nicht wie ein Wohnquartier "Schättlisberg" behandelt werden darf, um möglichst viele Wohnungen zu schaffen.

Der Rahmenplan von 1998: Hangkante und Mezgergarten freigehalten
Die wertvollen Einzelaspekte waren unbestritten der alte Mezgergarten und die Werkstatt der früher auch überregional so bedeutenden Künstlerfamilie. In einem Fall hat das Bauamt jetzt auf die Aussagen des Rahmenplans "gepfiffen" und eine massive Bebauung in der Gartenstraße 5-7 genehmigt, ohne zu berücksichtigen, dass damit direkt an die Hangkante gebaut und der halbe Mezgersche Kunstgarten zugebaut wird. ( Schon im Februar 2019 berichteten wir hier mit einer Fotomontage). Selbst der angerufene neutrale mobile Gestaltungsausschuss hatte große Probleme mit der Planung.

Dicht an der Hangkante, fast so hoch wie das "Neue Gefängnis"
Nun legte die städtische Bauplanung für die ganze Fischerhäuser Vorstadt eine Planung vor, die diesem leider bereits genehmigten Vorhaben angepasst sind. Vielleicht nach dem Motto: Wenn alles furchtbar und besch...eiden aussieht, fällt dann der eine Sündenfall weniger auf? Man nennt es eine nur "marginale Nachverdichtung". Bewohner und Grundstückseigentümer sind sich - bis auf den einen Fall - einig: Das wollen wir so nicht! Sie wollen das kleinteilige, aufgelockerte Quartiersbild behalten, vielleicht mit kleinen gewerblichen Einheiten und gerne mit mehr Wohnungen. Aber nicht so, keinen "Schättlisberg 4.0". Zur Verdeutlichung des geplanten Horrors bat man um Erstellung eines Modells, dem die Bauverwaltung zunächst zustimmte. Mittlerweile ist daraus ein digitales "Modell" geworden, auf einem normalen Computer kaum lauffähig. Die Anwohner, die sich finanziell sogar beteligen wollten, erfuhren davon zunächst nichts.

Während der letzten öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Bau und Verkehr wurde diese digitale Ansicht vorgestellt: Leider auf Grund von schlechten Datenleitungen nahezu nicht zu nutzen. Was aber auch so ersichtlich war und für Unmut sorgte, waren die geplanten Dimensionen für die Gebäude, der vollkommen unsensible Umgang mit einem historisch gewachsenen Stadtquartier. Die BÜB+ wird sich dieser Planung und der Zerstörung gewachsener Strukturen mit aller Kraft widersetzen.


 


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