Mittwoch, 25. September 2019

Dauerthema: Innenstadtverkehr

Man muss Jürgen Resch, den in Überlingen-Bonndorf wohnenden umtriebigen Chef der Deutschen Umwelthilfe DUH nicht unbedingt lieben, auch nicht alle seine Aktionen gut finden. In den Augen vieler Bürger macht er es sich mit seinem bundesweiten Kampf für die Umwelt und gegen das Auto zu leicht, andere sehen in ihm den Helden für die Umwelt. Aber das soll hier nicht das Thema sein.

Im Überlinger Südkurier gab es jetzt ein durchaus lesenswertes Interview mit Resch, in dem er sich mit einigen Problemfeldern auch hinsichtlich dem Dauerthema "Verkehr in der Überlinger Innenstadt" auseinandersetzt. Überwiegend lobenswert seine Ansätze hinsichtlich Verbesserung der Radstrecken. Logisch, dass er am liebsten sämtlichen Autoverkehr aus der Innenstadt verbannen will, aber damit macht er es sich zu einfach. Zu unterschiedlich sind die Interessen der Bürger, der Einzelhändler, der Dienstleister oder der Gastbetriebe. Diese alle unter einen Hut zu bringen, ist das große Problem, an dem seit Jahrzehnten rumexperimentiert wird. Es wird Zeit, dass etwas passiert: Damit hat Herr Resch recht.

Orange markiert: Verkehrsberuhigte Innenstadt. Rot markiert:
Bestehende verkehrsberuhigte Bereiche und Fußgängerzone
Der vergangene Kommunalwahlkampf zeigte, dass sich jede Partei und Gruppierung mit dem Thema beschäftigte, wobei Forderungen zwischen den Extremen einer Komplettschließung bis hin zur Wiederöffnung der Münsterstraße aufgestellt wurden. Beide Forderungen erscheinen unrealistisch, für beide sind wohl keine Mehrheiten zu erwarten. Aber es zeigte sich auch, dass vielleicht Kompromisse und erste Schritte möglich sind in Form einer umfassenden verkehrsberuhigten Zone (neudeutsch "shared space"), wie sie auch die BÜB+ Anfang 2019 schon vorgeschlagen hat: Beginnend beim Aufkircher Tor, beim Parkhaus Mitte und am Hotel Ochsen dürfen alle bei Bedarf einfahren, müssen aber Tempo Schrittgeschwindigkeit einhalten. Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Fahrzeuge sind absolut gleichberechtigt. Der unerwünschte reine Durchgangsverkehr kann schon damit im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst und zu einer gewaltigen Reduzierung des Verkehrs führen. Das von der BÜB+ beantragte 1 Euro Ticket für den Stadtbus hilft auch dazu bei, die Innenstadt vom Individualverkehr zu entlasten. Am Abend nach Geschäftsschluss des Einzelhandels sowie an Sonn- und Feiertagen könnte die Innenstadt per Poller geschlossen werden, nur Anwohner, Hotelgäste, Taxen, Busse und Lieferanten erhalten eine Berechtigung zur Einfahrt.

Wie kann es weitergehen?

Die BÜB+ schlägt eine öffentliche Veranstaltung - auch eine Sondersitzung des Gemeinderates ist denkbar - vor, in der alle Fraktionen in einem kompakten Vortrag ihre eigene Position darstellen. Auch Interessensgruppen wie der WVÜ sollen ihre Vorstellungen präsentieren. Es wird sich zeigen, ob dann gemeinsame Schnittmengen der Konzepte zu einem tragfähigen Kompromiss führen, der bald angepackt werden kann. Natürlich darf man nicht erwarten, dass eine vollständige Umsetzung einer umfassenden verkehrsberuhigten Zone innerhalb weniger Monate erfolgen kann. Dazu sind teure Umgestaltungen des Straßenbereiches notwendig, wie z.B. eine durchgehende Fläche von Haus zu Haus, ohne Trennung von Fahr- und Gehstreifen. Aber man kann punktuell anfangen: Am Aufkircher Tor, im Bereich Wiestorstraße/Franziskaner Tor, an der Kreuzung zur Christophstraße, am Fischerhäuser Brunnen, am Landungsplatz, am Mantelhafen/Chantilly Platz. Werden es jedes Jahr 1 - 2 Bereiche mehr, kann in spätestens 5 Jahren die komplette Umgestaltung fertig sein. Aber: Die positiven Auswirkungen spüren wir sofort, schon im ersten Jahr. Ein Etat für vorbereitende Planungen gehört unbedingt in den aktuell zu erstellenden Haushalt für 2020. Packen wir es an!

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